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Restart des traditionsreichen Langnauerörgeli-Treffens in Zollbrück

 

Seit 1836 werden im Emmental kleine tönende Wunderkistchen hergestellt. Sie hiessen einst «Harfen» oder «Härpfeli». Heute nennt man sie gemeinhin «Langnauerli». Von 1984 bis 2003 fand zu seinen Ehren und seiner Pflege das Langnauerörgeli-Treffen 1 bis 20 statt – inszeniert vom Bützberger Örgeler Werner Aeschbacher und seiner Frau Susanne. Aeschbacher ist/war bei der 21. Ausgabe vom Sonntag, 13. Januar 2019, als freier Musiker mit seinen Langnauerli dabei. Für die Wiederbelebung des historischen Stelldicheins im Saal des Restaurants Sternen Neumühle in Zollbrück sorgen sein Sohn Thomas Aeschbacher aus Langenthal und Adrian Gehri. Die 22. Ausgabe des Langnauerörgeli-Treffens ist für Sonntag, 20. Jänner 2020 angesagt.


Adrian Gehri, Kundenberater und Örgelibauer bei Reist in Wasen, ist zu jung, um eines der 20. historischen Langnauerörgeli-Treffen live miterlebt zu haben. Ihn hat das Langnauerli erst an einem Konzert der Formation «Pflanzplätz» in den Händen von Thomas Aeschbacher erstmals fasziniert. Thomas hat damals zwei Stückli aus dem CD-Repertoire seines Vaters zum Besten gegeben. Er war bei den letzten Treffen weniger als Langnauerli-Fan, sondern als Vater dabei. Seine beiden Töchter wurden von Grossvater Werner unterrichtet, er hat sie mit den kleinen Örgeli mit ans Treffen mitgenommen. Der Faszination Langnauerli ist Thomas später erlegen. Dann aber heftig. Dank Urgrossonkel Johann «Hänsu« Aeschbacher. Und seinem Vater Werner.

 

Aeschbachers Wurzeln
Hänsu Aeschbacher lebte von 1875 bis 1941 im Eggiwil. Die Aeschbachers kommen von dort. «Hänsu» besass zwei Langnauerli. Heute sind beide Instrumente im Besitz von Werner Aeschbacher. Dieser hat 1995 im Booklet einer CD, auf der er u.a. Langnauerli gespielt hat, ein Foto von Hänsu publiziert. So hat Sohn Thomas von den tief verankerten familiären Wurzeln zum Langnauerli erfahren. Sie haben ihn bis heute nicht mehr losgelassen: «Ab dann habe ich die Stückli, die mein «père» auf CD und beim gemeinsamen privaten Musizieren gespielt hat mit anderen Ohren und offenem Herzen genauer hingehört. Ich habe gesehen und gehört, welche Analysen, wieviel Tüfteln und Können dahintersteckt, mit den weniger verfügbaren Möglichkeiten des Langnauerli solch grossartige Musik zu machen.» Thomas fasziniert dieser Sound. Er klinge wie die Seele des Instruments. Für Adrian trifft seine Klarheit direkt ins Herz. Das lasse sich gerade bei Kindern gut beobachten.

 

Aus wenig mehr machen
Diese Beschränktheit und Einfachheit sei übrigens auch eine der Herausforderungen und damit die Faszination des Langnauerlis, ist Adrian Gehri überzeugt: «Willst du alles problemos spielen können, kaufst du dir ein Akkordeon. Ganz anders auf dem Schwyzerörgeli oder noch extremer beim Langnauerli. Hier geht es darum, mit dem Wenigen, was du hast, möglichst viel zu machen. Beim Langnauerli hast du nur gerade eine Tonreihe und drei Bässe. Da musst du erfinderisch und in der Koordination fit und flexibel sein.» Thomas Aeschbacher nickt: «Diese Musik lässt sich nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln.» Eine Herausforderung, die die beiden genauso fasziniert und animiert, wie Altmeister Werner Aeschbacher - ein wahrer Virtuose auf dem kleinen Ding mit den 9 (oder manchmal auch 10) Knöpfchen und dem historischen «Schnarchlibass».

 

Hänsus Langnauerli
Werner Aeschbacher zeigt auf ein kleines Schwarzweiss-Foto aus seinem Langnauerli-Archiv: «Das bin ich als Dritt- oder Viertklässler an der Hochzeit meiner Tante. Ich habe damals auf Hänsus Langnauerli gespielt, mein erstes Örgeli, auf dem ich spielen durfte. Ich habe das Spiel selbst erfinden müssen. Es konnte mich niemand anlernen. Ich weiss auch noch den Titel, den ich an der Hochzeit gespielt habe. Abgehört von einer Foxtrott-Platte der Tante. Eines mit mexikanischen Wurzeln, es hiess «Si beau, si beau, si beau».

 

Schatz im Kopf
Werner Aeschbacher greift nach dem Langnauerli auf dem Tisch und spielt das «Chehrli» an. Er hat mehrere Dutzend Stückli im Kopf. Rare Perlen. Viele hat er zum ersten Mal an einem der Langnauerörgeli-Treffen gehört und sofort gespeichert. Damit hütet er einen wahren musikalischen Schatz der Schweizer Volksmusik. Denn Noten und Literatur dazu gibt es kaum, und wenn publiziert, sind es nicht die Weisen, die ihn oder Thomas und Adrian speziell begeistert haben. Werner Aeschbacher erinnert sich gerne und gut an die Treffen: «Da kam jeweils ein feines Völkchen zusammen, das ebenso feine, interessante Klänge und Instrumente mitgebracht hat.» Er blättert im Fotoalbum des ersten Treffens, das am 3. Juni 1984 stattfand, damals noch im Restaurant Illfisbrücke. Viele der hier mit Farbfotos dokumentierten Spielerinnen und Spieler sind gestorben, ihre mitspielenden Enkel und Kinder sind heute Frauen und Männer. Manche spielen immer noch die Stückli ihrer Vorfahren. Aeschbacher hat ihre Musik im Kopf. Er weiss genau, welches seiner unzähligen Langnauerli sich für welches Stückli am besten eignet.

 

Von grosser Schlichtheit
Werner Aeschbacher ist gerne bei der 21. Ausgabe des Langnauerörgeli-Treffens vom 13. Januar 2019 mitdabei. Aber nur als freier Musiker, mit der ganzen Organisation will er nichts zu tun haben. Gut möglich, dass er dann auch sein neustes Langnauerli mitbringen wird. Baujahr 2018. Ein Prototyp der neusten Produktion von Örgelibauer Ruedi Schüpbach aus Wattenwil: «Das Langnauerli war früher bei Hänsu und allen anderen seiner Zeit das sogenannte „Knechtenörgeli“. Damit wurde im stillen Kämmerlein die persönliche Musikalität ausgelebt. Klein, schlicht, von grosser Einfachheit. Schüpbachs neues Örgeli, ein Nachbau eines historischen Örgelis von Christian Tillmann. Tillmann hat seit 1850 zuerst im Dienst der Pionierfamilie Herrmann einreihigen „Härpfli“ gebaut. Der Prototyp von Ruedi Schüpbach entspricht einem Tillmann-Örgeli aus dem Jahr 1890. Und meinen Bedürfnissen und Vorstellungen an ein heute neu gebautes Langnauerli. Es geht gut. „Ig ha Wäudsfreud“.»

 

Gut zu wissen
Die neuen Langnauerörgeli-Treffen finden im Restaurant Sternen Neumühle in 3436 Zollbrück statt. Der Saal ist jweils ab 10 Uhr für alle BesucherInnen und SpielerInnen geöffnet. Adrian Gehri zum weiteren Vorgehen: «Ab halb Elf möchten wir gemütlich mit den ersten Darbietungen beginnen. In lockerer Atmosphäre soll der ganze Tag stehen, ähnlich wie an einer Stubete ist die Bühne für alle SpielerInnen für eine angemessene Zeit bereit.
In den Pausen und Unterbrüchen soll genug Zeit zum Fachsimplen bleiben,
so dass während den Vorträgen der Geräuschpegel angepasst werden kann.»
Die Organisatoren haben rund 80 persönliche Einladungen an bekannte Besitzer oder Spieler von Langnauerörgeli verschickt. Viele haben ihr Interesse bekundet. Der Flyer zum Anlass ist wie einst bei Werner Aeschbacher bewusst gelebte Tradition einfach gestaltet und auf korngelbem Papier kopiert. Natürlich werden neben Werner Aeschbacher auch Thomas Aeschbacher und Adrian Gehri spielen. Die drei freuen sich auch auf viele Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Eintritt ist frei, ein Batzen ins Kollekte-Kistchen wünschenswert.

 

Mehr zu allem: www.langnaueroergeli.ch